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16./17. April: Große Unterstützung für linke Freiräume in Heidelberg

Am letzten Wochenende wurde in Heidelberg ein dickes Ausrufezeichen hinter die Forderung nach selbstverwalteten politisch-kulturellen Zentren – nicht nur in Heidelberg- gesetzt.

Zum Samstag Abend zog die Nachttanzdemo mit 1200 TeilnehmerInnen lautstark vom Marktplatz quer durch Heidelberg zum Hauptbahnhof (siehe Bericht auf „linksunten“).

In der folgenden Nacht besetzten AktivistInnen ein seit langer Zeit leerstehendes Haus in der Eppelheimer Str. 80, mit dem Ziel, dort einen Freiraum für unkommerzielle kulturelle und politische Aktivitäten zu schaffen. Die Besetzung wurde am Sonntag Mittag durch einen – wieder mal völlig unverhältnismässigen – Polizeieinsatz aufgelöst (Bericht auf linksunten).

Am frühen Sonntag Abend gab es eine Demonstration durch die Hauptstraße in Heidelberg, um Solidarität mit den von Repression betroffenen BesetzerInnen auszudrücken und abermals der Forderung nach Freiräumen Nachdruck zu verleihen (Bericht auf linksunten).

Insgesamt kann das Wochenende – trotz der Räumung – als großer Erfolg für Freiraumbestrebungen in Heidelberg und darüber hinaus gewertet werden. KEIN TAG OHNE!

Redebeitrag von Anarres zur Nachttanzdemo:

Für ein neues autonomes Zentrum in Heidelberg!

Im Februar 1999 wurde das Autonome Zentrum in der Alten Bergheimer Straße 7a abgerissen und damit ein wirklich selbstverwalteter, unabhängiger Ort zerstört.
Im Autonomen Zentrum hatten zahlreiche politische und gegenkulturelle Gruppen die Möglichkeit, ihre Vorstellungen einer nicht-kommerziellen, solidarischen Gesellschaft leben und vorleben zu können.

Wir brauchen hier in Heidelberg nach wie vor einen freien, kollektiv organisierten Treffpunkt, an dem selbstbestimmtes, eigenverantwortetes Arbeiten, Organisieren und Feiern über einen längeren Zeitraum aufrechterhalten werden kann.
Wir brauchen hier ein linkes Kommunikationszentrum, von dem aus aktiver Widerstand organisiert wird gegen großstädtische, neoliberale Ausgrenzungsmethoden, Privatisierungsmodelle und Disziplinierungsmaßnahmen.
Wir brauchen einen Freiraum, der unabhängig ist von der Stadt, von allen Parteien und von SozialarbeiterInnenstrukturen; einen Freiraum, in dem die Perspektive eines herrschaftsfreien Zusammenlebens gemeinsam entwickelt werden kann.

Politische und soziokulturelle Zentren sind eben nicht nur als Treffpunkte für Jugendliche oder als „billige“ Veranstaltungsorte wichtig; vielmehr sind solche linken Freiräume nötig, um den gesicherten und ungestörten Konsum und die damit einher gehende Verdrängung der verschiedenen „Submilieus” aus den Innenstadtbereichen grundsätzlich in Frage stellen zu können.

Linke Freiräume sind wichtig, um die flächendeckenden Raumverbote für marginalisierte Gesellschaftsgruppen durchbrechen zu können, also um aktiv gegen die Ausgrenzung all jener anzugehen, die nicht ins verwertungslogistische Raster passen.
Linke Freiräume sind wichtig, um in Debatten und alltäglicher Praxis das bürgerlich-kapitalistische Systems als patriarchal, nationalistisch, rassistisch zu entlarven. Durch diesen Prozess können revolutionäre Vorstellungen entwickelt werden, die wiederum in die Gesellschaft hineinwirken.
Linke Freiräume sind wichtig, damit die dort Aktiven eigene reaktionäre Verhaltensweisen, die aus dem Leben innerhalb der gesellschaftlichen Unterdrückungsverhältnisse entstanden sind, erkennen und gemeinsam abbauen können. Und sie sind wichtig, um nicht nur den persönlichen Machtausübungen und Diskriminierungstendenzen, sondern auch der kontrollpolitischen Hierarchisierung und Fragmentierung des sozialen Raums entgegen arbeiten zu können.

Linke Freiräume sollten – basierend auf Kollektivität und Konsensentscheidungen – eine wichtige Funktion innerhalb der radikalen Linken haben: Sie sollten eine funktionierende Alternative jenseits des zivilgesellschaftlich-hegemonialen Mainstreams und des allgegenwärtigen Konsumzwangs schaffen.
Sie sollten dazu beitragen, linke und nicht-kommerzielle Kultur in Heidelberg zu einem relevanten Faktor zu machen; auch für Zusammenschlüsse, die in gesellschaftliche Diskurse intervenieren wollen.
Und nicht zuletzt sollten sie jener Ort sein, an dem geschlossen auf staatliche Repression reagiert werden kann; der Ort, an dem gemeinsam überlegt wird, wie wir als Systemantagonist_innen beispielsweise damit umgehen, dass ortsansässige Polizeidirektionen (wie dieses Präsidium hier hinter uns) geheimdienstlich agierende Spitzel (wie den LKA-Bullen Simon Bromma) einsetzen und in die linke, in die antifaschistische Szene einschleusen, um uns langfristig in die politische Handlungsunfähigkeit zu manövrieren.

Fakt ist: wir brauchen einen linken Freiraum – und zwar sofort, hier und überall!
Doch die Heidelberger Stadtverwaltung mauert und zeigt sich völlig kompromisslos. (Wie bei der Räumung des besetzten Hauses in der Alten Eppelheimer Straße 80 am 17.04.2011)
Um der Verwirklichung eines solchen Projekts näher zu kommen, versucht das Anarres-Kollektiv seit einigen Monaten, sich unabhängig zu machen: In Zusammenarbeit mit dem bundesweit aktiven MietshäuserSyndikat will Anarres den Erwerb eines geeigneten Gebäudes in die Wege leiten.
Wir sind also dabei, solch einen Ort zu finden – sucht mit!

Lasst uns dort ein autonomes Zentrum aufbauen!
Gegen staatliche Bevormundung und Repression!

Infoveranstaltung: Freiräume – undenkbar in HD?

Anlässlich der Nachttanzdemo findet am 13. 4.2011 um 20 Uhr eine Infoveranstaltung mit Beiträgen zur Geschichte der AZs, Anarres, zu studentischen Freiräumen u.a. am Beispiel der ZEP, sowie Filmbeiträgen statt.
Ort: ZEP, Zeppelinstr. 1, Heidelberg
Weitere Infos

Keine Entmutigung bei Anarres

Kaum hatte sich die Begeisterung über den neuen Schwung in Sachen Hauskauf verbreitet, kam schon wieder die ernüchternde Nachricht, dass das Haus inzwischen weg ist. Im Folgenden versuchen wir die aktuelle Situation zusammenzufassen.
Die letzte Begehung des sehr spannenden Gebäudekomplexes im März hat gezeigt, dass eben doch Potenzial in Heidelberg existiert, sowohl was die Unterstützung angeht als auch auf dem Immobilienmarkt. Dies sollten wir für die Zukunft zu nutzen wissen.
Leider wurde das Haus nach Angaben des Maklers kurz nach unserer ersten Besichtigung bereits verkauft, dennoch war seit langem wieder Bewegung in der Kiste, und der neue Schwung hat viele Kräfte aktiviert. Eine positive Erfahrung waren die vielen Unterstützungsangebote und hilfreichen Tipps durch ein großes SympathisantInnenumfeld, das in seinem Umfang erst zu diesem Zeitpunkt (wieder einmal) sichtbar wurde. Das gibt uns Hoffnung für ein künftiges Projekt, auch wenn uns einfach klar sein muss, dass so ein Hauskauf mit viel Arbeit verbunden ist und ein langwieriges Projekt darstellt: immerhin wäre beim letzten Objekt eventuell eine „Entkernung“ nötig gewesen, zumindest hätte uns die Asbestisolierung definitiv eine Menge Arbeit, Zeit und finanzielle Mittel gekostet.
Trotz des Rückschlags bei diesem konkreten Haus sollten wir uns nicht entmutigen lassen, sondern umso motivierter um unsere Freiräume kämpfen.

Lasst uns unsere Forderungen nach einem politischen Freiraum in Heidelberg nicht leiser werden und die Motivation aus Hausbesichtigungen und Renovierungen nicht abklingen lassen. Die Nachttanzdemo am 16. April, an der sich auch Anarres aktiv beteiligt, wird ein Moment und eine gute Gelegenheit sein, unseren Protest und unser Verlangen zu artikulieren, auf die Straße zu tragen und die Verhältnisse zum Tanzen zu bringen.

„Wir schreien KEIN TAG OHNE! bis es in euren Köpfen hallt!“ (Chaoze One)


Hausbesichtigung

Es gibt Neues in Sachen Hauskauf: Endlich konnten wir mal ein spannendes Gebäude besichtigen, das unseren Vorstellungen gerecht wird, indem es sowohl einen kleinen Wohnbereich als auch viel Platz für kulturellen Freiraum und politische Arbeit lassen würde. Trotzdem wäre an dem Haus viel zu tun…

Jetzt laufen die Aktivitäten auf Hochtouren: Leute mit mehr Ahnung von Umbauarbeiten als der Anarres-Durchschnitt müssen eine Einschätzung abgeben, es muss ein Treffen mit den Aktiven vom Mietshäuser Syndikat geben, die Öffentlichkeitsarbeit muss verstärkt werden.

Ein anderer wichtiger Punkt sind die Finanzen. Auch wenn wir es schon geschafft haben, viele Direktkreditzusagen zu bekommen, steht da noch ein riesiger Posten aus, und wir sind auf die Unterstützung durch viele SympathisantInnen angewiesen. Auch Fördermitgliedschaften oder einmalige Spenden an das Konto des befreundeten Gegendruck e.V. (Stichwort „Anarres“) sind ein wichtiger Beitrag!

Aber das alles lässt sich nicht von einer doch überschaubaren Gruppe leisten, und wir müssen Verstärkung finden. Schaut doch einfach bei einem unserer nächsten Treffen vorbei – wir treffen uns immer mittwochs um 20.00 Uhr im Café Gegendruck, Fischergasse 2, Altstadt. Ihr könnt uns auch per Mail kontaktieren oder euch bekannte Leute aus der Anarres-Runde ansprechen, wie ihr aktiv werden könnt.
Nur gemeinsam -d.h. mit Eurer aktiven Unterstützung- können und wollen wir das Projekt verwirklichen!

Hier noch einmal das Konto des Vereins Gegendruck e.V.:

Kontonummer 211 522 00
BLZ 672 900 00 (Volksbank HD)
Verwendungszweck (wichtig!): ANARRES

Infoveranstaltung und Party im Februar

Am Freitag, 11. Februar 2011, 20 Uhr, gibt es in der ZEP (Zeppelinstraße 1, Heidelberg; Infos/Wegbeschreibung) eine Anarres-Infoveranstaltung. Dabei werden allgemein das Konzept des Mietshäusersyndikats, das Thema Direktkredite, sowie die Bestrebungen in Heidelberg vorgestellt und anschließend in offenem Rahmen diskutiert. Alle InteressentInnen sind herzlich eingeladen und es besteht nach wie vor die Möglichkeit der aktiven Mitarbeit.

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Und am 25. Februar steigt eine Soliparty für das Projekt Anarres im Café Gegendruck (Fischergasse 2, Heidelberg, Infos/Wegbeschreibung).

Disco-Disco!